Weltwirtschaftlicher Preis

Zweiter Tag der Kieler Woche, zweiter großer Höhepunkt: Der Weltwirtschaftliche Preis ist am Sonntag, 18. Juni an Prof. Klaus Schwab, Gründer des World Economic Forum, Bas van Abel, Gründer und CEO Fairphone, sowie an den Nobelpreisträger Prof. Robert Shiller verliehen worden.

Damit wurde die Auszeichnung des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) und seiner Partner, der Landeshauptstadt Kiel und der IHK Schleswig-Holstein, zum 14. Mal vergeben. Die diesjährigen Preisträger hätten gezeigt, „wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Informationen und Wissen Lösungen für globale Probleme unserer Zeit ermöglicht“, sagte IfW-Präsident Dennis Snower.

Der Weltwirtschaftliche Preis soll einen Anstoß geben, die großen weltwirtschaftlichen Herausforderungen durch kreative Problemlösungen zu bewältigen. Ausgezeichnet werden einflussreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, die einen besonderen Beitrag zu einer auf Eigenverantwortung basierenden, sozial verantwortungsvollen Gesellschaft geleistet haben.
 

„Fachübergreifender Austausch“

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz erinnerte anlässlich der Preisverleihung daran, dass es gerade angesichts immer komplexerer Wirtschaftsstrukturen und Handelsbeziehungen - auch vor dem Hintergrund von zunehmendem Protektionismus - wichtig sei, den Diskurs zwischen Wirtschaftswissenschaften, Politik und Wirtschaft zu vertiefen, wie es dem Ziel des Weltwirtschaftlichen Preises entspricht. „Ein fachübergreifender Austausch, auch bei uns in Schleswig-Holstein, sollte vermehrt dazu beitragen, dass Wissenschaftler und Praktiker die Herausforderungen noch mehr als bislang im Schulterschluss anpacken“, sagte Buchholz.
 

„Lösungen für globale Probleme unserer Zeit“

„Wissen zu nutzen, um globale Probleme zu lösen, die internationale Zusammenarbeit zu mehren und dabei den Wohlstand des Menschen und sein soziales Wohlergehen in den Mittelpunkt des wirtschaftlichen Handelns zu stellen - das ist auch eines der zentralen Anliegen des Weltwirtschaftlichen Preises. Unsere diesjährigen Preisträger eint: Alle drei haben durch ihr erworbenes Wissen und ihren verantwortungsvollen Umgang damit Lösungen für globale Probleme unserer Zeit ermöglicht“, sagte Snower zur Jurybegründung.

Alle drei Preisträger seien nicht nur selbst durch einen großen Wissenshunger gekennzeichnet. Sie hätten ihr Wissen zum Wohle der Allgemeinheit geteilt, die Kooperation und den Dialog zwischen Menschen gefördert und nachhaltiges Wirtschaften ermöglicht.
 

„Wissen breiten Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht“

„Robert Shiller hat als ökonomischer Pionier mit der Vorstellung vom rationalen Investor und von effizienten, von alleine ins Gleichgewicht findenden Märkten aufgeräumt und sowohl die Dot-Com-Blase als auch die Immobilienblase korrekt vorhergesehen. Sein Wissen über Finanzmärkte hat er in Büchern und kostenlosen Online-Seminaren breiten Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht“, sagte Snower.
 

„Kooperative Lösungen zum gegenseitigen Nutzen“

„Bas van Abel machte fragwürdige und umweltschädliche Produktionsbedingungen bei Mobiltelefonen transparent und will mit dem Fairphone Konsumenten und große Elektronikkonzerne zum Umdenken bewegen.“ Als dritter Preisträger habe Klaus Schwab mit dem World Economic Forum einen Rahmen geschaffen, der dazu beitrage, globale Probleme zu adressieren, Wissen auszutauschen und kooperative Lösungen zum gegenseitigen Nutzen aller Beteiligten zu finden.
 

„Beitrag zum internationalen Ruf der Festwoche“

„Seit 14 Jahren leistet die Verleihung des Weltwirtschaftlichen Preises einen wichtigen Beitrag zu Fragen von globaler Bedeutung. Sie hat sich zu einer festen Größe im vielfältigen Programm der Kieler Woche etabliert und trägt zum internationalen Ruf der Festwoche bei“, sagte Kiels Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer.

Und Klaus-Hinrich Vater, Vizepräsident der IHK Schleswig-Holstein, erklärte: „Durch die Digitalisierung nimmt das Tempo auf den Märkten immer mehr zu. Gleichzeitig erleben wir protektionistische Maßnahmen, die den Welthandel negativ beeinflussen. Jedes Unternehmen muss sich diesen Herausforderungen stellen, und seine Mitarbeiter müssen schnell und flexibel reagieren.“
 
Mehr Infos zum Weltwirtschaftlichen Preis 


 

Volkswirtschaftslehre in den Grundfesten erschüttert

Porträtfoto
Prof. Robert Shiller, Ph.D | Foto: IfW Kiel

Robert Shiller lobte Snower als ökonomischen Pionier, der mit der Vorstellung vom rationalen Investor und von effizienten Märkten, die von alleine in ein Gleichgewicht finden, aufgeräumt habe. „Robert Shiller hat die Volkswirtschaftslehre in ihren Grundfesten erschüttert und verändert und sowohl die Dot-Com-Blase als auch die Immobilienblase korrekt vorhergesehen“, sagte Snower.

Dabei habe Shiller immer zum Ziel gehabt, mit seiner Forschung einen praktischen Nutzen bieten zu können und das Leben der Menschen zu verbessern. Snower: „Als Shiller herausfand, dass viele Menschen aus Unwissen über Strategien zur Risikominimierung nicht in Wertpapiere investieren, bot er kostenlose Online-Kurse dazu an, um mehr Menschen den Zugang zu Wertpapieren zu ermöglichen und die Einkommensungleichheit zu verringern.“

Damit stehe Shiller wie kaum ein anderer für die Freiheit des Denkens und Handelns und die Verantwortung jedes Einzelnen für sich selbst und die Gesellschaft.

Mehr über Prof. Robert Shiller


Kooperative Lösungen zum gegenseitigen Nutzen

Porträtfoto
Prof. Dr. Klaus Schwab | Foto: IfW Kiel

„Klaus Schwab ist ein politischer Stratege ersten Ranges und ein weitsichtiger Visionär“, sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer über den diesjährigen Nominierten der Kategorie Politik.

Schwab habe mit seinem Multi-Stakeholder-Ansatz bereits zu Beginn der 1970er Jahre erklärt, dass unternehmerische und politische Initiativen nur dann zum Erfolg führen, wenn alle Parteien, die von einer Maßnahme tangiert sind, in den Entscheidungsprozess eingebunden würden.

„Mit diesem Ansatz hat er einen systematischen Rahmen geschaffen, der dazu beiträgt, globale Probleme zu adressieren und kooperative Lösungen zum gegenseitigen Nutzen aller Beteiligten zu finden“, sagte Kämpfer.

Auf dem Jahrestreffen des von ihm gegründeten World Economic Forum in Davos könne man Schwabs Ideen eindrucksvoll in der Praxis bewundern, wenn immer wieder auch verfeindete Regierungsvertreter miteinander in Dialog träten.

Mehr über Klaus Schwab



Mutiger Unternehmer und internationales Vorbild

Porträtfoto
Preisträger Bas van Abel | Foto: Fairphone

„Zum Unternehmertum gehören Mut und eine Vision. Bas van Abel hat beides“, beschrieb IHK-Präsident Klaus-Hinrich Vater den Nominierten der Kategorie Wirtschaft. „Er will mehr als nur den wirtschaftlichen Erfolg, er will Menschen zum Nachdenken bewegen und die Gesellschaft verändern.“

Dass von einem Produkt eine unglaubliche gesellschaftliche Kraft ausgehen könne, hätten Innovationen wie der Verbrennungsmotor oder das soziale Netzwerk Facebook gezeigt. „Van Abel aber dreht den Spieß um und fragt: Wie will ich die Gesellschaft verändern, und welches Produkt brauche ich dazu“, hob Vater hervor.

„Van Abel schafft den Spagat zwischen einem wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen und seinem Anspruch. Mit dem Fairphone bewirkt er einen bewussteren Umgang bei den Nutzern und verbessert die Produktionsbedingungen für Mobiltelefone. Damit ist er ein internationales Vorbild und eine Inspiration für alle Unternehmerinnen und Unternehmer.“

Mehr über Bas van Abel