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Kieler Woche  16. - 24. Juni 2012
Classic Open Air: Kraft, Esprit und Lust

Video zum Classic Open Air  

Ein Orchester, eine Opernsängerin, ein Mundharmonikaspieler und eine Popband können nicht zusammen auf eine Bühne? Das Classic Open Air auf dem Rathausplatz bewies mit Leichtigkeit das Gegenteil. 

 

 



Wie bringt man den Rathausplatz zum Brodeln? „Mit der Siegesfeier des THW", begann Moderator Christian Schröder gut gelaunt, und setzte gleich einen drauf: „Mit dem Classic Open Air." Tosender Applaus antwortete ihm. Rund 10.000 Menschen waren gekommen, um der eigenwilligen Mischung aus Rock, Pop und Klassik nach dem Motto „Rock meets Classic" zu lauschen.

 

Die Kultband Karat während des Konzertes
Sie feiern ihr 35-jähriges Bühnenjubiläum und rocken wie in jungen Jahren: die Kultband Karat.
Das Philharmonische Orchester Kiel unter der Leitung von Generalmusikdirektor Georg Fritzsch begleitete die Kultband Karat, die Mezzosopranistin Amira Elmadfa und Marc Breitfelder, einen der weltbesten Mundharmonikaspieler.
 

 

Die Mischung macht's
 

Marc Breitfelder
Marc Breitfelder ist Europameister auf der Mundharmonika. Der Kieler spielt weltweit auf Blueskonzerten.

Akkurat frisierte Haare und Zottel-Look. Abendkleid und Knautschjackett. Geige und Mundharmonika. Opernstimme und Popgesang. Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Seit elf Jahren beweist der Verein zur Förderung der Kieler Woche ein überaus glückliches Händchen mit der Wahl der Künstler und ihrer Stücke. Kurz gesagt: ein musikalisches Kaleidoskop aus Kraft, Esprit und Lust am Spiel. „Unglaublich, welchen Wumm so ein Orchester hat. Fantastisch", sagte ein Zuschauer bewundernd, der wegen Karat gekommen war. Das Orchester zeigte, dass es im Pop genauso zu Hause war wie in der Klassik und in der Filmmusik.


Mundharmonikakünstler Marc Breitfelder begeisterte das Publikum mit dem Westernklassiker „Spiel mir das Lied vom Tod". Seine Version endete nicht tödlich, ging aber unter die Haut. Genauso wie Amira Elmadfas Interpretation von „Goldfinger" den Zuhörern eiskalte Schauer über die Rücken jagte. 
 

 

Amira Elmadfa
Eigentlich ist sie Opernsängerin. Doch Popsongs singt Amira Elmadfa mit gleicher Inbrunst wie Arien.

Sieben Brücken, die begeistern

Dann kam Karat mit einem großen Programm. Und endlich spielten sie ihn, den so sehnlich erwarteten Klassiker: „Über sieben Brücken musst du gehen." Ein kollektiver Seufzer der Erinnerung und Begeisterung aus tausenden Kehlen. Hände mit und ohne Feuerzeug reckten sich nach oben und wiegten sich im Takt. Alle sangen mit. Auch Generalmusikdirektor Georg Fritzsch war ergriffen, verzichtete auf straffes Dirigieren und überließ den Musikern den freien Fluß der Töne. Im schwindenden Abendlicht zogen Heißluftballone lautlos über die Köpfe. Die letzten Takte klangen aus. „Brücke, Brücke", skandierten hingerissene Zuhörer. Aber nicht nur sie wollten mehr. Ein Blick zwischen Fritzsch und Karat-Sänger Claudius Dreillich genügte. Auf einem gewaltigen Klangteppich sangen sich Tausende gemeinsam zum hellen Schein.

 
 
 
 


 
Foto oben: Thomas Eisenkrätzer
Text und Fotos: Silke Haas