Kanupolo mag aussehen wie ein einziges Hauen und Stechen auf dem Wasser. Aber Taktik, Teamspiel und Timing machen es zu einer faszinierenden Sportart.

Schubsen ist erlaubt, aber nur mit der Hand und nur
den, der gerade den Ball hat.
"Irgendwann war mir Wanderpaddeln über die Seen zu langweilig", erzählt der Kieler Hannes Tank. Im Urlaub war er einmal in den Alpen zum Wildwasserfahren. Er war begeistert. Der rasante Fahrspaß und die Action hatten es ihm angetan. Nur zu Hause hatte er ein Problem: Die Kieler Förde ist kein Wildwasser, so suchte nach einem vergleichbaren Adrenalinkick in Kiel.
"Durch Zufall kam ich zum Kanupolo und hatte endlich meinen Sport gefunden", schwärmt der 27-jährige Designer. Kanupolo kann man als eine Art „Handball im Kajak" beschreiben. Zwei Teams mit je fünf Spielern treten in kleinen, wendigen Kajaks gegeneinander an und versuchen den Ball in das zwei Meter hoch hängende, gegnerische Tor zu werfen.
Hannes schnauft noch ein bisschen, Wasser tropft aus seinem Neoprenanzug. Gerade eben trainierte er noch mit seinem Verein, der Kanuvereinigung Kiel (KVK), für das Internationale Kieler Woche Turnier. Das Training fand diesmal nicht in der Förde an der Kiellinie statt, sondern Publikums freundlich im Bootshafen. Auf den Treppen stapeln sich die Zuschauer in der Sonne und warten auf das Public Viewing: Deutschland gegen Ghana. Zum Warm Up ist die Wassershow der Kanupolosportler eine willkommene Einstimmung. "Tor, Tor!", brüllt die Menge, als der bunte Ball in eines der Tore fliegt, die im Wasser verankert sind.

Nichts für Wasserscheue - beim Kanupolo bleibt
keine Faser trocken.
Ein bisschen Ritterspektakel
Die Kanus schießen von einem Ende zum anderen, treffen sich in einem Pulk vor dem Tor. Ein heilloses Durcheinander, die Boote schneiden sich, fahren über übereinander, immer dem Ball hinterher. Taktik nennen die Kanupolisten das. Die Boote wackeln bedenklich, wenn die Spieler mit ihren Paddeln wie mit Schwertern fuchteln, sie auf die Boote und aufs Wasser klatschen und Gischt aufwirbeln. Helm und Visier schützen Kopf und Gesicht der Spieler. Fehlt nur ein Schild. Das Ganze erinnert an ein mittelalterliches Ritterspektakel. Nur dass, Ritter auf stämmigen Pferden sitzen und nicht in kippeligen Kajaks. "Aua, das ist aber brutal!", bemerkt eine Zuschauerin.
Das sieht nur so martialisch aus", wiegelt Hannes ab. Schlimme Verletzungen sind selten. Kleine gibt es immer wieder. Hannes pustet auf seine Finger, die rot leuchten. "Dumm gelaufen, hab' ein Paddel draufgekriegt. Passiert", sagt er achselzuckend. "Fußball ist brutaler", pflichtet Judith Feine ihm bei. Sie hat als Schiedsrichterin das Spiel gepfiffen und jedes Foul verfolgt. Manchmal gar nicht so einfach, im Gewusel den Überblick zu behalten. „Hauen ist verboten, aber schubsen ist erlaubt", erklärt sie. Allerdings nicht mit dem Paddel, nur mit der Hand und nur den, der gerade den Ball hat.

Immer dem Ball nach. Es gilt, ihn entweder mit der
Hand oder dem Paddel ins Tor zu befördern.
Erfolgreiche Damenmannschaft
Die 28-jährige Brandenburgerin kann sich ein Leben ohne Kanupolo nicht mehr vorstellen. „Es ist einfach nur geil. Ich wollte schon als Schülerin spielen, aber in Brandenburg nahmen die keine Mädels", erzählt sie. Aber dann beim Studium in Kiel konnte es losgehen. Die Kanu Vereinigung Kiel hat eine Damenmannschaft, eine sehr erfolgreiche sogar.
Wer Kanupolo spielen will, benötigt viel Körperbeherrschung,
Kondition und Kraft. Trainiert wird vor allem den Oberkörper, aber wer nichts für seine Beine tut, kann schnell zum Sitzriesen mutieren.
Kieler Woche Kanupolo Turnier
Am Wochenende (26. und 27. Juni) findet das 40. Internationale Kieler Woche Kanupolo Turnier statt. Los geht es jeweils um 8 Uhr an der Kiellinie, in Höhe der Kanuvereinigung Kiel, Düsternbrooker Weg 44.
Text und Fotos: Silke Haas