Ein altmodisches Kasperletheater verzaubert auch im Zeitalter von Teletubbies und Pokemons kleine und große Zuschauer. Auf der Waldbühne kämpft Kasperl gegen den bösen Zauberer.

Zum Kasperletheater auf der Waldbühne kommt man am schnellsten über die Krusenkoppel, die tausende Kinder während der Kieler Woche zum Reich des Zauberers von Oz verwandeln. Sie wuseln durcheinander, werkeln, malen und basteln. Ein fröhliches Getöse herrscht auf der Wiese.
Ein lauschiges Plätzchen
Das angrenzende Düsternbooker Gehölz verschluckt das Plappern und Hämmern. Es hat angefangen zu regnen. Nass wird es trotzdem kaum, die dichten Blätter bilden ein schützendes Dach über einem runden Platz. Durch eine Schneise wandert der Blick frei auf die Förde. Früher stand hier ein Gartenpavillon, wo sich die dänische Königin Margarethe und ihr Gefolge vergnügten, wie eine Tafel verrät. Vergnügen ganz anderer Art verspricht ein rotes Kasperletheater. Ein Vorhang verdeckt die Bühne. Davor stehen bunte Plastikstühlchen in einer Reihe. Es dauert nicht lange, bis etwa ein Meter große, wasserdicht verpackte Gestalten sie erobern.

Die Kinder sind in einer anderen Welt
Wer keinen ergattert, hockt sich auf den Boden oder klettert bei Papa auf die Schultern. Kinder sind ungeduldige Zuschauer: „Kasperl! Kasperl! Kasperl!“ Endlich erscheint der Kasper mit seiner blauen Zipfelmütze und einer langen Nase vor dem Vorhang. „Seid ihr alle da?“„Jaaa.“ Sogleich sind die Steppkes Teil des Spektakels und helfen tatkräftig mit hellen Stimmchen, den Vorhang aufzuziehen. „Hauruck! Hauruck! Hauruck!.“ Die Kinder klatschen in die Hände. Gebannt verfolgen sie das Geschehen auf der Bühne. Taub für die Welt um sie herum.
„Leon, mach die Jacke zu! Es regnet!“, vergeblich versucht eine Mutter mit ihrem Sohn zu kommunizieren. Zusammen mit Kasperl und den anderen Kindern reist er ins Reich des Zauberers von Oz. Wenig später kommt Leon doch zur Mama, aber nicht um sich helfen zu lassen. Er sucht ihre Hand, versteckt sich hinter ihrem Rücken. Der knapp dreijährige Knirps fürchtet sich vor dem Zauberer.
Ein Rezept mit Geling-Garantie

„Die Geschichten passen immer zum Thema der Krusenkoppel“, erzählt Harry Hoppe. Ihm gehört das Kasperletheater, er spielt und schreibt die Geschichten. Seit 2002 baut er sein Kasperltheater auf. Egal, welche Geschichte er auf die Bühne bringt, das Rezept ist uralt und gelingt immer: Kasperl kämpft gegen das Böse. Als Waffe dient ihm ein Kochlöffel. Er muss eine Prinzessin retten und gewinnt natürlich am Ende den Kampf und einen Kuss. Die Großmutter versorgt den Helden mit Wurst und Limo. Mit schlauen Sprüchen hilft manchmal sein Freund Seppel. „Am wichtigsten sind natürlich die Kinder“, erzählt Hoppe. „Sie warnen den Kasper vor Gefahren, verraten ihm Geheimnisse oder singen mit ihm ein Lied.“
Die Kleinen machen immer begeistert mit. Die Großen würden auch gerne, trauen sich aber nicht so recht. „Das ist ja wirklich wie früher“, seufzt eine Mutter gerührt. „Es hat sich nichts geändert, selbst den Kochlöffel gibt es noch.“
Text und Fotos: Silke Haas