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Kieler Woche  16. - 24. Juni 2012
Kieler Unikat segelt sich kolossal

Die Kieler Kogge ist nicht zu übersehen: Sie ist schwarz, riesig und hat ein quadratisches Segel. Was wie ein unbeweglicher Koloss aussieht, segelt sich wie eine Jolle. Behauptet zumindest der Kapitän.

 

  

Auf der Förde wird eine Regatta gestartet. Schlanke, weiße Rümpfe jagen im Dreieck über das Wasser. Schlanke Segler mit Sonnenbrillen und Handschuhen brüllen laut Kommandos und reißen an neonfarbenen Leinen. Fast durchsichtige Segel gehen rauf und runter. Rennziegen nennen Kenner der Szene die filigranen Geschöpfe.

Ein Blick zur Seite: Gänzlich unfiligran pflügt ein Schiff durch die Wellen und zieht am Regattafeld vorbei. Gut 23 Meter lang und fast acht Meter breit ist der dunkle, holzbeplankte Rumpf. Ein großes, quadratisches Segel flattert fröhlich im Wind. Dicke Taue hängen sauber aufgeschossen an der Bordwand. Die Kieler Kogge. Viele Generationen Schiffsbaukunst trennen dieses Schiff von den Regattabooten. Welten prallen aufeinander. 
 
 

Ein einmaliges Projekt

Die Kieler Kogge ist in jeder Hinsicht ein Unikat. Arbeitslose Jugendliche bauten die Hansekogge in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme nach. "Wir suchten ein Projekt, mit dem sich die Jugendlichen hundertprozentig identifzieren", sagt Charlotte Hamann vom Verein Jugend in Arbeit. Das ist mit dem Nachbau der gelungen. Aus einer fixen Idee wurde ein mehrjähriges Projekt von internationaler Bedeutung.

 

"Es gab ja keine Aufzeichnungen oder Pläne, wie man früher eine Kogge gebaut hat", erzählt Hamann. Die Bremer Kogge von 1380, die hervorragend erhalten in der Weser entdeckt wurde, diente als Vorbild. Historiker aus ganz Europa wurden zu Rate gezogen. Schließlich sollte der Bau so originalgetreu wie möglich sein. "Das Holz wurde in Dänemark geschlagen", sagt Krischan Bauer, der Kapitän. Bootsbauer und Förster liefen durch die Wälder, um geeignete Stämme zu finden und zu schlagen. Allein 56 Kubikmeter Eichenholz stecken in der Kogge. Auch die Nägel stammen nicht einfach aus dem nächsten Baumarkt. Ein Schmied wurde extra engagiert, um die mehr als 10.000 Nägel von Hand zu schmieden. "Der hatte danach noch kräftigere Oberarme", sagt Hamann bewundernd. 

 

Tradition und Moderne

Kogge bedeutet Muschel. Ihr Ursprung liegt im friesischen Wattenmeer, wo sie als Lastensegler diente. Ihre Karriere endete als Hanseschiff. Die Kogge war im 13. und 14. Jahrhundert das typische Schiff der Hanse. Die Nord- und Ostsee waren die Hauptfahrgebiete. Aber auch Reisen bis in die Biskaya waren keine Seltenheit. 
 

"Die ersten zwei Jahre hatten wir keinen Motor", erklärt Bauer stolz. Die Kogge diente als Versuchsschiff, um die Segeleigenschaften der alten Schiffe zu testen. Als die Versuchsreihe abgeschlossen war, kam ein Motor als Zugeständnis an die Neuzeit an Bord.
 

Für Plastikschüsseln hat Bauer nichts übrig. "Das hier ist doch etwas Solides und hat Geschichte", fast zärtlich klopft er auf die dunklen Planken. Entgegen allen Unkenrufen kann die Kogge segeln. "Die fährt sich fast wie eine moderne Jolle", schwärmt der Kapitän. Er muss es ja wissen. 


Wer einmal eine mittelalterliche Seefahrt auf der Kieler Kogge unternehmen möchte, ist herzlich eingeladen. Gästefahrten für jedermann werden regelmäßig angeboten.

Weitere Informationen gibt es auf www.hansekogge.de

 

 

 

Alle packen an   Klönschnack auf dem Vorschiff   Los geht's!

 



Text und Fotos: Silke Haas