Es gibt einen Ort, an dem die Welt noch in Ordnung ist: Das Kieler-Woche-Hoftheater. Es bringt Wandelkonzerte, Jazz und Figurentheater. Thomas Zürn ist Marionettenspieler und erzählt, wie man Puppen zum Leben erweckt.

Wenn Thomas Zürn eine neue Puppe baut, spricht er
mit ihr, um ihre Charakterzüge herauszufinden.
„Einfach durch, auf der Terrasse steht der Kaffeetisch", ruft Thomas Zürn. Gar nicht so einfach. Ein Skelett, ein Derwisch und zwei wunderliche Vögel mit langen Hälsen gucken den Besucher neugierig an und ziehen alle Aufmerksamkeit auf sich. Auf einem Gestell hängen ein halbes Dutzend Marionetten. Alle sind gut einen halben Meter groß, tragen farbige Klamotten und beobachten das Geschehen.
„Ach, Sie haben schon Bekanntschaft mit meinen Puppen gemacht", stellt Zürn fest und nimmt eine Puppe vom Gestell. Rote Pluderhosen, ein breiter Gürtel über einem lilafarbenem Oberteil. Ein rotes Kopftuch sitzt über einem spitzen Gesicht mit Kinnbart. Mandelförmige Augen starren konzentriert auf eine Fackel. „Eine Trickmarionette. Er kann Feuer spucken, das habe ich ihm beigebracht", sagt Thomas Zürn und lächelt wie ein Vater. Der Derwisch tänzelt auf die Terrasse, verbeugt sich und wird wieder auf seinen Platz gehängt.
Zürn ist ein Theatermensch
Thomas Zürn ist Marionettenspieler, so steht es auf seiner Webseite. Er ist gelernter Holzbildhauer, hat als Restaurator gearbeitet, bis er eine Stelle in einem Marionettentheater angenommen hat. „Dort habe ich Theater spielen gelernt", erzählt er. Ein Familienbetrieb, der immerhin sechs Leute beschäftigt. Nach sieben Jahren hat er sein eigenes Theater gegründet, eigene Stücke geschrieben und gespielt. Puppen hatte er ja schon immer selbst gebaut. Aber immer nur fürs Theater, niemals als Dekoration. Zürn ist ein Theatermensch, er braucht das Publikum, den Adrenalin-Kick vor jedem Auftritt.
Wie kommt man zu einem Stück? Zürn zieht fragend die Stirn in Falten, zuckt mit den Schultern. „Die Idee ist irgendwann einfach da. Es ist dann ein Prozess, es geht alles Hand in Hand: schreiben, zeichnen, Charaktere bilden, Gesichter modellieren und schließlich schnitzen. Er kramt in einem Stapel Zeichnungen. Zorn, Freude, Trauer. Wenige Striche nur, aber die Gesichter zeigen Gefühle, sie leben.
Ein Katzenkopf, ein König und ein Zauberer aus Plastilin
„Ich fange immer mit dem Kopf an. Das Gesicht ist das Wichtigste beim Marionettentheater." In seiner Werkstatt liegen ein Katzenkopf, ein König und ein Zauberer aus Plastilin, eine Art Knetmasse, auf einem Tisch. Prototypen für seine nächste Inszenierung. Der gestiefelte Kater von den Gebrüdern Grimm. „Ein wunderbares Stück", schwärmt Thomas Zürn. „Ich will Kindern zeigen, wie man fröhlich durchs Leben gehen kann. Der Kater steht für das Glück", erklärt Zürn und spielt mit dem Katerkopf. „Du musst Vertrauen haben, Dein Leben selbst in die Hand nehmen", sagt - nein, nicht der Mensch sagt es, sondern der Kater.
Während der Kieler Woche spielt er am Mittwoch Pepinos Reise in die kleine Welt im Hoftheater. Pepino, ein kleiner Junge, muss sich auf eine Klassenarbeit über Insekten vorbereiten. Dann schläft er ein und erwacht in der fremden, kleinen Welt der Spinnen, Käfer und Grashüpfer. Sein neuer Freund, ein Marienkäfer, gerät in das Netz der Spinne und Pepino muss ihn retten.
Die Vorstellungen des Figurentheaters finden jeweils um 14.45, 16 und um 17.15 Uhr im Hoftheaterzelt im Hiroshimapark (Nähe Opernhaus/Rathaus) statt. Der Eintritt ist frei.
Text: Silke Haas
Foto oben: Silke Haas
Fotos unten: Thomas Zürn