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Kieler Woche  16. - 24. Juni 2012
Kiel kann den Hüftschwung 

Tango ist getanzte Leidenschaft. Nicht nur in Argentinien, auch auf dem Rathausplatz, wo das Kieler Woche Tanzfieber die Besucher gepackt hat.  
 

 

 

Tanzfieber-Tänzerinnen und Tänzer in Aktion
Nix mit norddeutscher Reserviertheit. Auf dem Kieler Woche Tanzfieber zeigten die Besucherinnen und Besucher, wie viel Feuer in ihnen steckt. 

Tangorhythmen schallen über den Rathausplatz und Menschen wiegen sich im Takt. „Eins, zwei, drei, vier, doppel, doppel, Schere! Und immer locker in der Hüfte“, der mehrfache Tanzweltmeister Michael Hull macht es vor. Es sieht so einfach aus, wie er auf der Rathausbühne Tangoschritte zeigt. Tango ist Tanz des Jahres 2010. Viel ist über den Tango geschrieben: „Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann. Tango ist getanzter Sex, Sinnlichkeit und Leidenschaft. Die Rose quer im Mund, Pomade im Haar und hohe Lackschuhe.“

 

 

 

 

Es geht aber auch ohne, wie die Kieler Woche Tänzer zeigen. Ein Paar Pfennigabsätze klackt auf dem Kopfsteinpflaster, Turnschuhe dominieren. Nur eines muss sein: Der Mann führt. „Der Mann führt überall, wo Parkett liegt“, sagt auch Hull. „Jetzt wissen Sie, warum in der Küche Fliesen sind“, flachst er und erntet Gelächter, zumeist männliches.

 

 

Das Schwierigste ist die Partnersuche

 

„Die Männer sind meistens das Problem“, sagt Elisabeth Eckermann. Ihr Freund hat sich mit ein paar Kumpels bei den Australiern zum Bier verabredet und schaut aus sicherer Entfernung zu. Macht nichts, dafür springt Freundin Nadine als Tanzpartnerin ein, denn der Tanzweltmeister hat zum Paartanzen aufgefordert.

 

Die 15-jährige Friederike Bock hat mehr Glück. Sie hat einen Tanzpartner, der mit ihr in die Tanzkurse macht. Allerdings hatte er keine Zeit, sie zum Kieler Woche Tanzfieber zu begleiten. „Ich brauche eine Partnerin“, ruft Hull und blickt suchend in die Menge. „Die blonde Dame im weißen T-Shirt mag zu mir kommen.“ Der bleibt keine Wahl. Die Menge applaudiert.

 

Kieler Woche-Besucherin Ulrike mit Tanzweltmeister Michael Hull
Einige Besucher wie Ulrike (links)
kamen in den Genuss eines Tanzes mit Michael Hull. 

Man sieht, dass sie nicht zum ersten Mal tanzt. Immer ein Lächeln im Gesicht und ihre langen Haare fliegen, wenn „Mister Dance“ sie zur Drehung oder Promenade animiert. Nach wenigen Minuten ist ihre Soloeinlage vorbei und sie kommt zu ihren Freundinnen zurück. „Das war super“, lacht sie. „Wie der führen kann, einfach bombastisch.“

 

Der Tangounterricht geht weiter. Michael Hull zählt den Takt und zeigt einen neuen Schritt. Die Menschen auf dem Rathausplatz versuchen, ihm zu folgen. Manche verwechseln links und rechts, es kommt zu kleinen Karambolagen. Schweißtropfen perlen auf den Gesichtern der Tanzenden. „Tanzen ist anstrengend, aber es macht soviel Spaß“, schnauft Gerlinde Schmeckes. „Früher war ich oft tanzen, da kam mein Mann auch mit. Heute hat er gekniffen, aber nächstes Jahr muss er mit“, sagt die 73-Jährige und steppt nach rechts.

 

 

Längst nicht alle Männer sind Tanzmuffel

 

Vor der Rathausbühne wirbeln einige Herren ihre Damen rasant zu den Kommandos von Michael Hull. Auch der männliche Nachwuchs ist konzentriert bei der Sache. Mit Mama an der Hand sind die Schritte kein Problem. Junge Damen verfolgen es mit Wohlwollen und hoffen, dass er dabei bleibt.    



 

Text und Fotos: Silke Haas