Die Deutsche Meisterschaft der Seesegler (Inshore) im Rahmen der Kieler Woche hätte kaum überraschender ausgehen können, denn in den drei Klassen waren zwei neue Projekte unter den Siegern. Bei den großen Yachten (ORC I) holte das "Audi A1-Team" den Titel, das bei 15 Crewmitgliedern lediglich mit sechs erfahrenen Seglern besetzt war, und in der ORC II siegte die "Hochwürden", die vor der Meisterschaft lediglich zweieinhalb Stunden trainieren konnte. Immerhin die "Chinook"gehörte bei den kleinen ORC-III-Schiffen zu den Favoriten und bestätigte diese Stellung mit einer starken Serie.
"Chinook"

Gemeinsame Erfahrung bringt die "Chinook"-Crew reichlich zusammen. "Wir feiern wohl bald zusammen Silberhochzeit", erklärte Crew-Mitglied Dirk Johannsen, der sich nach dem Offshore-Titel im vergangenen Jahr nun auch über die deutsche Inshore-Meisterschaft freuen durfte. "Wir haben vorher noch ein wenig an der Segelgarderobe gearbeitet und uns eine tiefer geschnittene Genua zugelegt, damit wir mit mehr Speed durch die Welle kommen, das hat sehr gut funktioniert", sagte Meinhard Schmidt. Nun will die Flensburger Crew auf der X-332 um Eigner Johann Friedrichsen auch zur WM im September auf ihrem Heimatrevier ein Wörtchen bei der Medaillen-Vergabe mitreden. "Unsere Revier-Kenntnisse sind dabei sicherlich von Vorteil", so Johannsen
"Hochwürden"
Die WM stand für die "Hochwürden"-Crew um Skipper Philipp Rotermund (Flensburg) noch gar nicht auf dem Plan, denn das Projekt mit der Dehler 35 RS war sehr spontan aufgebaut worden. Das Schiff wurde von der Werft erstmals bei der Offshore-Meisterschaft vor Helgoland eingesetzt und nun mit der neuen Crew bestückt. "Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht, müssen das jetzt erst einmal sacken lassen. Aber die WM ist eine spannende Sache", sagte Rotermund. Zunächst einmal geht das Schiff aber nach Schweden und wird dort mit einer schwedischen Crew Gotland-Rund segeln. Für Crew-Mitglied Stefan Matschuck war der deutsche Titelgewinn einfach nur überwältigend: "Wir haben uns in kürzester Zeit finden müssen und haben funktioniert wie eine gute Turniermannschaft." Den Trimm hat das Team während der Meisterschaftstage ständig verändert, in der Taktik aber auf eine einfache Variante gesetzt: "Wir haben versucht, möglichst wenig Wenden zu fahren, auch wenn der Wind mal weg blieb oder drehte. Am Ende hat sich das ausgezahlt", so Matschuck.
"Audi A1-Team"
"Großartig, phantastisch!" Audi-Skipper Tim Kröger (Hamburg) bemühte gleich einige Superlative, um seine Gefühle zu beschreiben. "Vor allem, dass das mit dem neuen Konzept geklappt hat, ist super." Denn sechs Profis standen neun Amateure gegenüber, die sich auf der TP52 laut dem Projekt "a dream comes true" mit dem Titelgewinn wahrlich einen Traum erfüllten. "Unsere Gäste waren aber nicht völlig segelunerfahren, und wir haben ihnen gleich gesagt, dass wir hier keine Kaffeefahrt machen", erklärte der Segelprofi, der in seiner Karriere schon viele Titel, aber noch keine Deutsche Meisterschaft gewonnen hat. "Wir wissen noch nicht, wie das Projekt weitergeht. Aber was gibt es schöneres für einen Sponsor wie Audi, wenn die Idee gleich so aufgeht", sagte Kröger. Auch für die Olympia-Vierte von 2008 in der Yngling, Ulrike Schümann (Berlin), übertraf der Titelkampf alle Erwartungen. Sie war als Taktikerin eingesetzt, musste sich zunächst mit der Navigation anfreunden, fand sich dann aber auf den kurzen Kursen bestens zurecht: "Die Lernkurve ging steil nach oben, aber dass es gleich mit dem Titelgewinn enden würde, ist natürlich ein tolles Erlebnis", sagte Schümann, die ihre Olympia-Karriere in diesem Frühjahr an den Nagel gehängt hat. "Nach meiner ersten Rente musste ich mich ja neu orientieren, und das hier hat wirklich viel Spaß gemacht.".
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