Weltcup war gestern, bei der Kieler Woche beginnt die Zukunft. Am Rande des traditionellen Curry-Essens, zu dem der Kieler Yacht-Club Sponsoren, Partner, Vertreter der mitveranstaltenden Vereine, aus Sport, Wirtschaft und Politik in den historischen Kaisersaal des Clubs einladen, stellten die Organisatoren der Kieler Woche am Freitag, den 18. November, die Weichen für die Zukunft der 129 Jahre alten Kieler Woche. Innovation und European Sailing Circuit (ESC) werden dabei die Schwerpunkte sein.
Bereits seit der Kieler Woche in diesem Jahr arbeiten die Kieler-Woche-Organisatoren am European Sailing Circuit und der Einbindung der neuen olympischen Segeldisziplinen. Ziel ist es, innovativ zu bleiben und mit einem europäischen Segel-Circuit den Aktiven attraktive Events mit machbaren Reiseaufwendungen zu bieten. Ohne die Einbindung in den Sailing Worldcup öffnen sich der Kieler Woche neue Türen. Eine Unterordnung im Bereich Sponsoring (bis hin zum Titelsponsoring) oder eine zeitliche Anpassung (bis zur Terminverlegung der Kieler Woche) sind für Kiel unmöglich und ungewollt. Die Kieler Woche geht auch im 130. Jahr ihren eigenen Weg.
„Der Sailing Worldcup passt eigentlich auch nicht zu einer Traditionsveranstaltung wie der Kieler Woche. Wir hätten für die Olympia-Klassen sechs Tage lang Wettfahrten anbieten sollen und hätten damit andere nicht-olympische Klassen vergraulen müssen. Aber das geht nicht, und deshalb haben wir uns auch gar nicht erst beworben“, sagte der oberste Wettfahrtleiter, Jobst Richter vom Kieler Yacht-Club mit Blick auf den Worldcup, der ab 2013 nicht mehr in Kiel stattfindet.
Ob die Teilnehmerzahl der Aktiven steigt, wenn der ISAF Sailing World Cup ab 2013 in Europa nur zweimal Station macht und alle fünf Kontingente besuchen will, ist fraglich. Während die Stationen in Asien, Afrika/Mittlerer Osten, Amerika und Ozeanien noch nicht feststehen, sind es in Europa, bedingt durch das Zeitfenster, Hyères/Frankreich und Mallorca/Spanien.
„Wir möchten den Athleten die Möglichkeit bieten, in Europa eine große Serie zu segeln“, so Peter Ramcke, Projektleiter des ESC aus Kiel. Mit der europäischen Idee hatten die Verantwortlichen des Kieler Yacht-Clubs bereits im Juni alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den europäischen Cup voranzutreiben und Partner für diese Idee zu finden. In Zusammenarbeit mit dem Europäischen Segler-Verband (EUROSAF) wurden die ersten Weichen im Juli gestellt.
Geplant ist ein Gesamtwertung aus bis zu sechs europäischen Segel-Großveranstaltungen. Die Ergebnisse müssen eine klare Positionierung in der Weltrangliste finden, um sportlichen Anreiz für die Aktiven zu bieten. Dabei werden ausschließlich bestehende Events berücksichtigt. Gesetzt ist auf jeden Fall Kiel.
Die Zustimmung des Deutschen Segler-Verbandes (DSV), der bereits früh in die Ideen der Kieler-Woche-Veranstalter eingeweiht war, ist den Kielern gewiss. Der DSV sei auf gute Events angewiesen, die auch ohne Riesenaufwand erreichbar seien, so DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner, die wie der gesamte DSV die Entwicklung kritisch sieht. „Kiel ist und war mit dem TV-Tracking sensationell. Das hat kein anderer bisher bieten können“, so Stegenwalner. Die Medialisierung durch das Kieler Woche-TV, das Tracking und die 3D-Animation sowie die ganz normale Organisation suchen auch nach Ansicht der ISAF Ihresgleichen. Weiter vorn als zur Kieler Woche 2011 war der olympische Segelsport in der Medialisierung noch nie. „Wenn ich einem potentiellen Sponsor den Segelsport und seine Darstellung zeigen will, dann zeigte ich denen Kiel“, so Stegenwalner. Bisher ist es dank der Kieler-Woche-Partner und -Sponsoren eine Alleinstellung Kiels.
„Die Politik der ISAF ist nicht nachvollziehbar. Einerseits will man den Segelsport kostengünstiger machen, und dann kreiert man solch einen teuren Wettbewerb, so Robert Stanjek, Athletensprecher der DSV-Nationalmannschaft, der auch für die deutschlandweite Werbung für den Segelsport auf Kiel setzt. Ein Unding ist die Entscheidung für Simon Grotelüschen (Lübeck). Auch die deutsche Laser-Hoffnung betont, dass Kiel mit der Medialisierung 2011 neue Maßstäbe gesetzt habe. Sein Sparringspartner Paul Goodison (Großbritannien), der zwischen 2002 bis 2009 viermal die Kieler Woche gewinnen konnte, erklärte, dass Kiel mit Medemblik und Hyères zu den wichtigsten Veranstaltungen gehöre. Der Goldmedaillengewinner von Qingdao (China) trainiert mit Grotelüschen zusammen für die Weltmeisterschaften in Perth (Australien).
Neben dem ESC plant Kiel für 2012 bereits einen Ausblick auf die Olympischen Spiele der Zukunft: „2012 in Kiel erleben, was Rio 2016 bietet“. Unter diesem Vorzeichen sollen zur Kieler Woche 2012 (16. bis 24. Juni) die neuen olympischen Disziplinen ihren Platz finden. Vom Katamaransegeln (nur für 2012 aus dem Programm geflogen) über das Frauenskiff (folgt dem Frauen Match Race/einmalig olympisch 2012) bis hin zur Surfdisziplin (gegebenenfalls Kiten) soll in Kiel alles geboten werden, was vor Rio de Janeiro (Brasilien) 2016 olympisch gesegelt wird. Die Zukunft beginnt eben in Kiel.
Hermann Hell