Der Kieler Schriftsteller Feridun Zaimoglu ist mit dem Kulturpreis der Landeshauptstadt Kiel 2010 geehrt worden. In einer Festsitzung der Ratsversammlung überreichten Stadtpräsidentin Cathy Kietzer und Oberbürgermeister Torsten Albig am Sonntag den mit 10.000 Euro dotierten Preis.

In einer Festsitzung der Ratsversammlung erhielt Feridun Zaimoglu den mit 10.000 Euro dotierten Preis (Foto Lühr)
Die Auszeichnung erhielt Feridun Zaimoglu dafür, dass er „sich national und international als Schriftsteller, Journalist und Drehbuchautor hohe Anerkennung erworben und dazu beigetragen hat, seiner Heimatstadt Kiel einen Platz in der deutschen Gegenwartsliteratur zu sichern“, so die Begründung in der Urkunde.
Stadtpräsidentin Cathy Kietzer betonte in ihrer Ansprache den engen Bezug Zaimoglus zu Kiel. So wohne er trotz des überregionalen Erfolges immer noch in der Fördestadt und zitiere sie häufig in seinen Büchern.
Sein kulturelles Engagement und Talent erstrecke sich jedoch nicht nur auf die Literatur, sondern habe auch 2003 in der Verhüllung der Kieler Kunsthalle mit türkischen Fahnen oder in seiner Funktion als Autor für das Theater Kiel nachhaltigen Niederschlag gefunden. „Wir Kielerinnen und Kieler sind sehr stolz auf Sie. Möge der Kulturpreis Ihre Kreativität weiter beflügeln und dazu beitragen, dass Sie Kiel weiter so herzlich verbunden und unserer Stadt noch lange erhalten bleiben“, so Kietzer.
Auch Schleswig-Holsteins Kultusminister Ekkehard Klug würdigte Feridun Zaimoglu als Vertreter einer jüngeren Autoren-Generation, der in der deutschen Literatur dennoch bereits ein unübersehbares Ausrufezeichen gesetzt habe. „Mit seinem eigenen Ton bereichert Zaimoglu die Kultur in unserem Land und macht jungen Menschen Mut, ihren eigenen Ton zu finden – zum Beispiel mit seinem Engagement in der ersten Textwerkstatt für Jugendliche im Literaturhaus Schleswig-Holstein“, so Klug. Der Autor gebe der jungen Generation aus Zuwandererfamilien eine Stimme und sei zugleich positive Identifikationsfigur.
Der Präsident der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Vorsitzende des Kultur- und Wissenschaftssenates der Landeshauptstadt Kiel, Professor Dr. Gerhard Fouquet, bezeichnete die Kieler Würdigung Zaimoglus als „überfällig für einen hoch anerkannten Schriftsteller“. Der Historiker spürte in seiner Rede dem Ursprung des Europa-Gedankens nach, dem sich auch Zaimoglu neben seinem offensichtlichen Bekenntnis zu Kiel verbunden fühle.
In seiner Festrede bezeichnete Gerrit Bartels, Literaturredakteur des Berliner Tagesspiegels, Zaimoglu als einen Schriftsteller, „der von einem anderen Stern zu kommen scheint: Weil er vernarrt ist in die deutsche Sprache“. Zaimoglu sei ein „Sprachmetz“, der die Sprache richtiggehend bearbeite. Auch hechele er keinen Moden hinterher, sondern verfolge seine ganz eigenen Themen. Diese seien allgemeingültiger, universeller und stammten nichtsdestotrotz „mitten aus unserer Welt“, so Bartels.
Dass seine Heimatstadt Kiel ihm diese Auszeichnung verleihe, sei für ihn eine ganz besondere Ehre, bedankte sich Feridun Zaimoglu im Anschluss. Er fühle sich der Fördestadt und ihren Menschen sehr verbunden. „Kiel ist für mich der Ort, an dem ich zuhause bin, der mich aber auch ständig neu inspiriert“, so der Preisträger.
Der Kulturpreis der Landeshauptstadt Kiel wurde erstmals 1952 an den Maler Emil Nolde vergeben. Er wird Menschen verliehen, die sich in besonderem Maße durch eigene kreative oder kulturfördernde Leistungen auszeichnen. Im Bereich Literatur und Journalismus ist es die sechste Auszeichnung. Zuletzt erhielt 1998 die Lyrikerin Annemarie Zornack in dieser Sparte den Kulturpreis. Feridun Zaimoglu ist Nachfolger des Jazz-Saxofonisten Stefan von Dobrzynski, der im Jahr 2008 geehrt wurde. Der Kieler Kulturpreis wird alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Kieler Wissenschaftspreis auf Vorschlag des Kultur- und Wissenschaftssenats von der Ratsversammlung verliehen. Im Jahr 2009 wurde dem Turnus entsprechend der Wissenschaftspreis verliehen. Ausgezeichnet wurden der Agrarwissenschaftler Prof. Dr. Friedhelm Taube und der Zoologe PD Dr. Konstantin Khalturin.
Zur Person
Feridun Zaimoglu, geboren 1964 im anatolischen Bolu (Türkei), wuchs in München, Berlin und Bonn auf.
Sein Abitur absolvierte er als Jahrgangsbester. 1985 begann Zaimoglu mit einem Studium der Medizin in Kiel, daneben widmete er sich der Malerei. 1995 debütierte er mit seinem Buch „Kanak Sprak“, 1997 folgte „Abschaum“, das als „Kanak Attack“ in Kiel verfilmt wurde. Seither veröffentlicht Zaimoglu beinahe jedes Jahr ein neues Buch. Als Journalist schreibt er Literaturkritiken und Essays, unter anderem für Die Zeit, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Welt und die Kieler Nachrichten.
Zusammen mit seinem Ko-Autoren und Kieler Freund Günter Senkel verfasst er Theaterstücke und Drehbücher. Das Theater Kiel realisierte unter anderem seine Bearbeitung von „Romeo und Julia“. Im Frühjahr 2011 ist am Kieler Theater die Uraufführung von „Julius Cäsar“ geplant.
Für die Ausstellung „Accessoiremaximalismus“ verhüllte Zaimoglu 2003 die Kunsthalle mit türkischen Fahnen. Mehrmals war er am Kieler Literaturtelefon zu hören. Zaimoglu wurde mehrmals ausgezeichnet, zuletzt 2010 mit dem Jakob-Wassermann-Literaturpreis. Er lebt in Kiel.
Feridun Zaimoglu ist bis zum 4. Juli am Kieler Literaturtelefon (0431) 901-1156 mit einem Ausschnitt aus seinem jüngsten Buch „Hinterland“ zu hören.