Auch das war die Kieler Woche 2021 Fürstlich, fröhlich und inklusiv

Mehr als 80.000 Gäste und Segelfans haben die Kieler Woche 2021 in Schilksee besucht. Sie genossen das Event mit sanften Corona-Auflagen nahe der Normalität und erlebten viele Highlights von der feierlichen Eröffnung über fürstlichen Besuch durch Albert II. von Monaco und das Segelfeuerwerk bis zur finalen Siegerehrung. Als nach neun Tagen mitreißendem Regattasport, der täglich auf Kieler Woche.TV live übertragen wurde, der Vorhang fiel, begannen die Vorbereitungen auf die 128. Ausgabe im 140. Jahr vom 18. bis 26. Juni 2022. Danach soll auch der 50. Geburtstag des Olympischen Segelwettbewerbe von Kiel 1972 mit einer großen Regatta gefeiert werden.

Die Eventmeile der Kieler Woche 2021 beim Einmarsch der internationalen Aktiven zur 99. Starboot-Weltmeisterschaft. Foto: ChristianBeeck.de

„Die Wiederbelebung des Markenkerns der Kieler Woche mit dem Segelsport im Mittelpunkt“, nennt Dirk Ramhorst sein persönliches Highlight der Ausgabe 2021, die den Blick pandemiebedingt noch einmal besonders nach Schilksee gelenkt hat. „Wir haben sehr viel positives Feedback bekommen, dass das Angebot zum Verweilen angenehm einladend und interessant gewesen sei“, berichtet Sven Christensen von der Kieler Woche-Vermarktungs- und Veranstaltungsagentur Point of Sailing, „sowohl von den zahlreichen Besucherinnen und Besucher als auch von unseren treuen Partnern und Sponsoren, die sich präsentieren konnten.“

Die Dierk-Thomsen-Trophy für den besten Nachwuchssteuermann in der ersten Wettfahrt der Star-WM überreichte Ingrid Thomsen im VIP-Raum von Holstein Kiel unter Beifall des ehemaligen Präsidenten des Weltsegelverbands Kim Andersen an den Berliner Phillip Kasüske mit Vorschoter Michael Schulz. Foto: ChristianBeeck.de

Die Kieler Woche war auch im Sportteil Magnet für zahlreiche Ehrengäste. Emotional wurde es auf dem Galaabend der 99. Weltmeisterschaft der Starboot-Klasse in Anwesenheit des ehemaligen Präsidenten von World Sailing, Kim Andersen aus Dänemark, und DSV-Präsidentin Mona Küppers. Ingrid Thomsen, Ehefrau des voriges Jahr verstorbenen Starbootseglers und glühenden Botschafters der Klasse, Dierk Thomsen, überreichte eine Trophäe mit seinem Namen an den besten Steuermann der ersten Wettfahrt unter 30 Jahre alt, den Berliner Phillip Kasüske. Dierk Thomsen war KYC-Kommodore und -Ehrenmitglied, DSV-Präsident, Weltpräsident der Starboot-Klasse und im Weltsegelverband in hohen Funktionen aktiv. Der Pokal war 1939 die Trophäe bei der ersten Starboot-WM in Kiel für die damaligen Sieger Walter von Hütschler/Edgar Beyn.

Fürst Albert II., Carsten Krage, Dirk Ramhorst und Bernard d’Alessandri überreichen nach der Enthüllung der Gedenkplakette gegenseitige Geschenke. Foto: Bodo Quante

Die Frühaufsteher waren schon vor Ort, als Fürst Albert II. von Monaco seinen vielbeachteten Kiel-Besuch im Info-Zelt vom Team Malizia in Schilksee abschloss. Am Vortag war er mit dem Flaggschiff des Kieler Yacht-Clubs, der Segelyacht „Zukunft IV“ über die Förde gesetzt und hatte abends in dessen ehemaligem Gebäude, dem heutigen Institut für Weltwirtschaft, eine Plakette mit der Inschrift enthüllt: „Gast der Regatten in Kiel 1898-1914“ und „Verfechter des Friedens und der deutsch-französischen Verständigung“. Sein Ur-Ur-Großvater Albert I. war hier zu Gast, wenn er an der Kieler Förde weilte. Zum Zeichen der langjährigen Verbundenheit zwischen dem Club und dem Fürstenhaus überreichte der Vorsitzende des KYC, Carsten Krage, dem Fürsten eine Krawatte, ähnlich der, die auch schon sein Vorfahr in Kiel getragen hatte, und eine aktuelle Kieler Woche-Jacke.

Boris Herrmann 14. KYC-Ehrenmitglied

Seit 1994 ist Albert II. Präsident des Yacht Club de Monaco. Gemeinsam mit dem Direktor des Clubs, Bernard d’Alessandri, überreichte er dem KYC einen Stander des monegassischen Vereins als Zeichen der freundschaftlichen Verbundenheit. Sein Herz schlägt für beide, und der Kieler Yacht-Club wählte sein langjähriges Mitglied Boris Herrmann zum Ehrenmitglied. Auf der Kieler Woche überreichte Carsten Krage dem Weltumsegler symbolisch den KYC-Stander und heftete ihm die goldene Ehrennadel ans Revers. Seit 1947 hat der KYC erst 14 Ehrenmitglieder ernannt, unter ihnen erfolgreiche Regattasegler, Förderer des Segelsports und besonders verdiente Vertreter des Clubs.

Carsten Krage steckt Boris Herrmann die Ehrennadel des KYC an. Foto: Sascha Klahn

„Der Segelsport braucht Leuchttürme, nicht nur auf dem Wasser, sondern auch auf dem Land. Denn nur mit den Leistungen und Erfolgen der Besten können wir mehr Interesse an unserem Sport wecken und vor allem mehr junge Leute für das Segeln und das Hochseesegeln begeistern. Und ein solcher Leuchtturm des Segelsports, aber auch für den Klima- und Meeresschutz bist du, Boris, geworden“, stellte Krage vor der Verleihung heraus.

Bereits drei Mal hatte Boris Herrmann vergangenen Herbst die Welt schon umsegelt, jedoch noch nie allein. Den Atlantik hatte er schon zehn Mal überquert, zuletzt 2019 zum UN-Klimagipfel mit Greta Thunberg. Mit der Vendée Globe 2021-21 (Platz fünf) eroberte Boris Herrmann den „Mount Everest des Segelns“. Bei der Kieler Woche nahm er für sein Team Malizia mit einem GC-32-Katamaran zum Auftakt am Welcome Race nach Eckernförde teil.

Erfolgreiche Inklusion auf der Regattabahn

Oft am Rand der Gesellschaft und selten im Rampenlicht stehen behinderte Menschen. Nicht so bei der Kieler Woche. Eine inklusive Innovation gab es bei den J/70. Zwei Hamburger Crews mit Seh- und Hörbehinderten sowie ein Team vom Möhnesee mit körperlichen Einschränkungen hielten aller Anfangsskepsis zum Trotz am Ende des hochkarätigen Felds mit. Das Pilotprojekt passte laut Dirk Ramhorst gut zum Konzept der Kieler Woche: „Inklusive und paralympische Klassen sind von jeher bei uns verortet. ‚Inklusion auf der Regattabahn‘ hat eine neue Dimension gezeigt“, so der Orga-Chef der Regatta. Das sei erst ein kleiner Schritt, aber in die richtige Richtung. „Hoffentlich kann das Hafenvorfeld bei anstehenden Kabelverlegungen blindenfreundlicher umgebaut werden“, so Ramhorst. Michaela Pries, Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, die sich in Schilksee ein Bild vom Auftritt der besonderen Aktiven machte, würde das sehr begrüßen.

Sie hören nichts wie Steuermann Markus Halle, Crewmitglied Jürgen Keuchel (rechts) und Karen Maren Suthmann (verdeckt) oder dank Hörgerät gerade genug, dass sie an der Kieler Woche teilnehmen durfte, wie der verantwortliche Skipper Jan Lichtenberger (Mitte). Aber das Deaf Team feierte seinen ganz persönlichen Triumph im neunten Rennen der J/70, als es zum ersten Mal einen Konkurrenten hinter sich ließ. Foto: ChristianBeeck.de

„Das Projekt ist der Hammer. Dass mir die inklusiven Boote im Feld gar nicht aufgefallen sind, ist ein positives Zeichen“, war Clubkamerad und Dritter im Endklassement, Carsten Kemmling aus Hamburg, beeindruckt. Auch sein Kontrahent und Gesamtsieger Claas Lehmann (ebenfalls NRV) bewunderte den Auftritt und meint: „Die J/70 ist ideal dafür.“

Die inklusiven Crews waren zufrieden mit ihren Leistungen bei der Premiere. „Am Feld dranbleiben war das Ziel“, so der gehörlose Steuermann Markus Halle vom Deaf Team. „Wir versuchen, uns aus der Profigegend rauszuhalten, und feiern jede Aktion, die gelingt“, berichtete der nahezu blinde Johannes Löschke vom Bat Sailing Team. „Wir sind noch Anfänger und testen, was geht. Ich sehe ein Riesenpotenzial, Menschen mit Einschränkungen das Segeln zu ermöglichen“, sagte Steuermann Klaus Rocholl vom Yachtclub Möhnesee, der zwei Crewmitglieder mit körperlichen Handicaps an Bord hatte.
 

Nur die „Spitze des Eisbergs“: Das gesamte Organisationsteam der Kieler Woche bestand aus 300 guten Geistern, darunter rund 260 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Foto: ChristianBeeck.de


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