Schilkseer Spannung vor dem ersten Startschuss zur Kieler Woche Traumbedingungen zum Auftakt erwartet

Sonne über Kiel, Lächeln in den Gesichtern, freudige Betriebsamkeit im Hafenvorfeld: Im Olympiazentrum von Schilksee laufen die letzten Vorbereitungen für die Kieler Woche im 140. Jahr. Alle Zeichen stehen darauf, dass es eine Regatta- und Festivalwoche wird, wie sie Organisatoren, Sportler und Gäste seit 2019 vermisst haben. Hochklassigen Sport – ohne die großen Feierlichkeiten – gab es in den vergangenen beiden Jahren auch, indes zum ungewöhnlichen Zeitpunkt im September. Jetzt präsentiert sich die weltgrößte Segelveranstaltung wieder zur angestammten Zeit in der letzten vollen Juni-Woche und im geliebten Umfeld – als die Bühne der Topsegler aus aller Welt, die sich in einmaliger Art und Weise vor Publikum präsentieren.


„Es ist angerichtet, das Olympiazentrum hat sich herausgeputzt und unsere 400 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sind bereit. Wir freuen uns auf eine ausgezeichnete, uneingeschränkte Kieler Woche“, sagt Organisationsleiter Dirk Ramhorst. Er wird die Regatta am Sonnabend (18. Juni) um 13 Uhr auf der Bühne in der Sailing Arena mit viel Prominenz eröffnen. Neben Düsseldorfs Messechef Wolfram N. Diener für den Kieler Woche Premiumpartner boot sowie Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Stadtpräsident Hans-Werner Tovar sind alle sechs Segelolympiamedaillengewinnerinnen und -gewinner von Tokio dabei.

Schon am Vortag der Kieler Woche staunten die ersten Gäste über das neue Riesenrad in Schilksee und schlenderten über die Eventmeile. Foto: ChristianBeeck.de/Kieler Woche


Während die Aktiven beim Check-in ihre Teilnahme bestätigten, wurden am Kai des Hafenbeckens noch einige Boote ins Wasser gekrant. Manche Crew warf auch noch einmal die Leinen los, um bei leichten Winden ihr Material auf See zu checken. Und es kamen auch schon zahlreiche Gäste zu Besuch. Sie staunten über ein Riesenrad am südlichen Hafenbecken von Schilksee, das die Eventmeile mit ihren Pagoden und kulinarischen Angeboten eröffnet, gefolgt vom Organisationszentrum für die Regatten, der Bühne für die Übertragungen von KielerWoche.TV und der Sailors Lounge, in der sich die Aktiven nach ihrem Tagewerk zum geselligen Beisammensein treffen können.

Am Check-in-Tresen im boot Düsseldorf Club bestätigten die Aktiven ihre Meldung zum Start bei der Kieler Woche 2022. Foto: ChristianBeeck.de/Kieler Woche


Es dürfte voll werden in den kommenden neun Regattatagen. Rund 4000 Aktive aus 46 Nationen werden erwartet, die in 26 Wettbewerben – von den Nachwuchsklassen über die olympischen Disziplinen (ab Mittwoch, 22 Juni) bis hin zu den seegehenden Yachten – ihre Kieler Woche-Sieger ermitteln. Die Wettfahrtleitungen auf den neun Bahnen werden dabei ein stolzes Programm abspulen. Geplant sind insgesamt 270 Wettfahrten auf den sogenannten Dreieckskursen vor Schilksee, aber auch auf den Seebahnen, deren Kurse bis in dänische Gewässer reichen.

Der erste Startschuss fällt traditionell vor dem Sportboothafen Düsternbrook und der Kulisse des Innenstadt-Festivals der Kieler Woche. 165 Yachten werden sich am Sonnabend ab 9 Uhr zur Aalregatta auf den Weg von der Kieler Innenförde nach Eckernförde machen. Neben dem Warm-Up für die erfahrenen und mit WM-Titeln dekorierten Crews wird der Kieler Woche-Auftakt die erste Seesegel-Bewährungsprobe für einige junge Athleten. Der Deutsche Segler-Verband (DSV) hat das Projekt „be part of the crew“ ausgerufen. Neueinsteiger in die Szene werden dabei auf Yachten vermittelt.

Der Start zur Aalregatta erfolgt am Sonnabendmorgen ab 9 Uhr in mehreren Gruppen aus der Innenförde heraus. Ziel ist Eckerförde. Foto: ChristianBeeck.de/Kieler Woche


„Wir hatten viele Anfragen von Jungs und Mädchen aus den verschiedenen Klassen – teilweise aus den Kadern im Jollenbereich. Insgesamt konnten wir elf vermitteln“, berichtet Johannes Christophers, Abteilungsleiter Seeregatten beim DSV. „Alle sind Anfang 20 und werden tolle Erfahrungen machen. Per Zufallsprinzip wurden sie den verschiedenen Yachten zugeordnet. Sie werden ordentlich anpacken müssen und werden wohl auch die ein oder andere Dusche abbekommen. Denn es ist für die Aalregatta Wind mit einigen kräftigen Böen angesagt.“

Die Bedingungen am ersten Wettfahrttag scheinen auch für die Dreiecksbahnen sehr gut zu werden. Kieler Woche-Wetterexperte Dr. Meeno Schrader verkündet westliche Winde von drei bis vier Beauforts, in Böen bis fünf, bei sonnigem Wetter mit angenehmen 17 bis 21 Grad. Ideal für den obersten Wettfahrtleiter Fabian Bach, um die zehn Klassen im ersten Teil der Kieler Woche in die ersten drei Rennen zu schicken – darunter mit den 29ern zum Euro Cup auch das größte Feld der Kieler Woche. Rund 150 Crews der Nachwuchs-Skiffklasse wollen vor Schilksee dabei sein. „Wir gehen natürlich auf allen mit voller Konzentration an die Aufgabe heran und sind gut vorbereitet. Mit der YES-Regatta vor zehn Tagen hatten wir eine gelungene Generalprobe. Die 29er stellen mit dem großen Feld natürlich besondere Herausforderungen. Wir werden auf zwei Bahnen mit vier Gruppen agieren. Unseren guten Ruf in der Skiffklasse wollen wir unterstreichen. Denn viele 29er steigen in den kommenden Jahren in die Olympiaklassen um“, so Bach.

Die 29er bilden bei ihrem Euro Cup wieder die größte Bootsklasse und starten in vier Gruppen auf zwei Bahnen. Foto: Sascha Klahn/Kieler Woche


Zum Auftakt am Sonnabend stehen sie auch im Blickpunkt von KielerWoche.TV, das ab 13 Uhr Rennen live überträgt. Die Kameras werden sich vor allem auch auf die Segelnummer GER 3222 richten. Sie gehört den Vorjahressiegern Anton (14) und Johann Sach (17) aus Zarnekau in Ostholstein, die 2021 bei ihrer Kieler Woche-Premiere sensationell ganz oben auf dem Treppchen standen. Inzwischen sind die Brüder auch deutsche Meister, Nachwuchssegler des Jahres und gewannen zu Pfingsten die YES Regatta (Young European Sailing) als Generalprobe vor Schilksee.

„Eigentlich ist gar nichts anders als voriges Jahr“, spielt der Vorschoter die Erwartungshaltung herunter, „wir wollen uns im Hinblick auf die EM direkt im Anschluss mit der internationalen Spitze vergleichen.“ Das Startverhalten in großen Felder gelte es, weiter zu verbessern, Bootsspeed und Manöver seien bereits „auf gutem Stand“. Als Topfavorit sieht sich der 17-Jährige genauso wenig wie als Gejagter. Die Konkurrenz sei vor allem mit den besten Franzosen stärker als im September. Die Sachs rechnen außerdem mit weiteren Brüdercrews. Das sind die amtierenden Weltmeister Mateo und Simon Codoner Alemany aus Spanien sowie Per und Carl Frederik Schwall vom Kieler Yacht-Club, die nun auch gemeinsam im Boot sitzen.

Solche packenden Szenen versprechen die 29er am Sonnabend bei idealen Wetter- und Windbedingungen auf der Medienbahn direkt vor Schilksee. Foto: Sascha Klahn/Kieler Woche


Neben den Kieler Woche-Ehren geht es für die Folkeboot-Segler in den kommenden vier Tagen auch um den inoffiziellen WM-Titel. Fünfmal gastierten die Akteure in der Dreimann-Kielboot-Klasse bereits mit ihrem Gold Cup vor Kiel – zuletzt 1992. Jetzt feiern sie ihr Comeback. Nach zwei Pandemie-bedingten Ausfällen des Gold Cups sind die Folkeboot-Teams froh, wieder ins hochklassige Geschehen einzugreifen. „Wir fühlen uns mit der professionellen Wasserorganisation bei der Kieler Woche sehr gut aufgehoben, werden mit Ehrung der Tagessieger dazu im Eventzelt am Regattahaus, Stegbier und Grillen für gesellige Abende sorgen“, sagt Sönke Durst, Sportwart der Deutschen Klassenvereinigung.

Der festliche Reigen beginnt bereits am Freitagabend (17. Juni) um 19 Uhr mit einem Einmarsch der Nationen zu den heißen Rhythmen einer Sambaband. Vom Riesenrad führt der Weg ins Eventzelt, wo Dirk Ramhorst den Gold Cup offiziell eröffnet. Durst freut sich über das Meldeergebnis: „Die Kieler Woche ist ein Zugpferd für internationale Segler. Wir haben unser eigenes Ziel von 50 teilnehmenden Crews sogar noch übertroffen und wollen diese Chance nutzen, um wieder auf unsere Klasse aufmerksam zu machen“, sagt Durst.

Die klassischen Nordischen Folkeboote kommen nach 1992 wieder zum Gold Cup auf die Kieler Woche. Foto: ChristianBeeck.de/Kieler Woche


Zu den deutschen Mitfavoriten zählt der Kieler Ulf Kipcke, der bereits 2000 und 2015 den Gold Cup gewann: „Bei der Trudelmaus-Regatta am vergangenen Wochenende vor Laboe hatten wir in der Spitze mit den Dänen schon spannende Rennen. Wir waren schnell und konnten mit Rang zwei eine Top-Ergebnis erzielen“, sagt Kipcke. „Wir hoffen natürlich darauf, auch jetzt vorn mitmischen zu können. Vielleicht haben wir ja sogar die Chance zum Sieg. Dann wären wir die erste deutsche Crew, die den Gold Cup dreimal gewonnen hätte. Das hätte dann schon historische Bedeutung.“ Am Dienstag werden nicht nur die Folkeboot-Segler, sondern auch die Akteure in den weiteren internationalen Klassen des ersten Teils wissen, wer sich in die Siegerlisten der Kieler Woche eintragen kann.


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