Meldung vom 26. Juni 2022

Kieler Kulturpreis 2022 verliehen an die Bildende Künstlerin Gudrun Wassermann

Künstlerin Lena Kaapke mit dem Förderpreis Kultur ausgezeichnet

Die in Schönkirchen bei Kiel lebende Bildende Künstlerin Gudrun Wassermann hat den mit 10.000 Euro dotierten Kulturpreis 2022 der Landeshauptstadt Kiel erhalten. Mit dem Förderpreis Kultur in Höhe von 4.000 Euro wurde die Bildende Künstlerin Lena Kaapke ausgezeichnet.

In einer Festsitzung der Kieler Ratsversammlung überreichten Stadtpräsident Hans-Werner Tovar und Bürgermeisterin Renate Treutel am Sonntag, 26. Juni, im Ratssaal des Rathauses die Preise. Die Preisverleihung bildete einen der letzten Höhepunkte der Kieler Woche 2022. Viele Gäste aus dem Kulturbereich nahmen an der Würdigung teil.

Die 88-jährige Künstlerin und Dokumentarfilmerin Gudrun Wassermann erhielt den Kulturpreis für ihr jahrzehntelanges künstlerisches Wirken, mit dem sie sich in Kiel und Schleswig-Holstein und darüber hinaus national und international hervorragende Verdienste erworben hat. Im Bereich der Keramik hat sich die 33-jährige Förderpreisträgerin Lena Kaapke bereits national und international einen Namen gemacht.

Der Kieler Kulturpreis wird seit 70 Jahren verliehen. Erster Preisträger war 1952 der Maler Emil Nolde. Seit 2014 gibt es auch den Förderpreis Kultur.
Gudrun Wassermann ist als Kulturpreisträgerin Nachfolgerin des Kieler Schriftstellers Arne Rautenberg. Der letzte Bildende Künstler, der den Preis erhielt, war 2016 Ulrich Behl. Lena Kaapkes Vorgänger als Förderpreisträger ist der Filmregisseur Moritz Boll.

In seiner Ansprache sagte Stadtpräsident Hans-Werner Tovar über die beiden Preisträgerinnen aus ganz unterschiedlichen Generationen, „dass beide weit über ihre jeweiligen Werke hinaus denken, dass beide Prozesse und Veränderungen einbeziehen, dass beide mit ihren Projekten Erlebnisräume erschaffen.“

Gudrun Wassermann, die zuvor Pharmazie studiert hatte, beschäftigt sich bereits seit den späten 1960er Jahren mit der Kunst. Stadtpräsident Tovar schaute mit großem Respekt auf diese „künstlerische Karriere mit vielen Wendungen und immer wieder neuen Ausdrucksformen.“ Über Lena Kaapke sagte er: „Sie wollen über Ihre Kunst hinaus stets auch auf etwas hinweisen, das sonst leicht übersehen wird.“

Schleswig-Holsteins Kulturministerin Karin Prien unterstrich in ihrer Veideobotschaft zur Preisverleihung: „Nach mehr als zwei Jahren Pandemie spüren wir sehr deutlich: Kunst hat einen unschätzbaren Wert – für die Gesellschaft, aber auch für jeden einzelnen von uns. Sie bietet uns Halt und Orientierung in Zeiten der Unsicherheit und des Wandels. Gleichzeitig hilft sie uns, Dinge zu hinterfragen und aus einer neuen Perspektive zu betrachten.“ Und: „Gerade die Pandemie hat gezeigt, wie schnell für Künstlerinnen und Künstler eine existenzbedrohende Situation entsteht. Als Gesellschaft müssen wir dem entgegenwirken. Deshalb sind Kunstpreise auch immer ein wichtiges Instrument der individuellen Kunstförderung.“

Als Präsidentin der Christian-Albrechts-Universität ist Professorin Dr. Simone Fulda auch Vorsitzende des Kultur- und Wissenschaftssenats der Stadt. Sie sagte: „Die Kieler Ratsversammlung hat mit Gudrun Wassermann und Lena Kaapke zwei beeindruckende Künstlerinnen ausgezeichnet, die mit ihrem schöpferischen Wirken für das so vielschichtige Kulturschaffen in Kiel und Schleswig-Holstein stehen. Sie führen uns in großartiger Weise vor Augen, welch eine wichtige, über ästhetischen Genuss hinausreichende Rolle Kunst und Kultur in unserer Gesellschaft spielen.“

Die Bedeutung von Kultur und Wissenschaft für Kiel erklärt die Senatsvorsitzende Professorin Fulda: „Im Kultur- und Wissenschaftssenat der Landeshauptstadt Kiel sind Wissenschaft und Kultur als zwei bedeutsame Bereiche repräsentiert. In ähnlicher und zugleich komplementärer Weise adressieren sie die großen Herausforderungen unserer Zeit und prägen in hohem Maße unsere Sichtweisen auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Gudrun Wassermann und Lena Kaapke verkörpern mit ihren komplexen und tiefgründigen Werken diese so produktiven Schnittstellen in ganz besonderer Weise.“

Die Laudatio auf die neue Kulturpreisträgerin hielt der frühere Direktor der Gemäldegalerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Professor Dr. Ulrich Bischoff, der Gudrun Wassermanns Werk seit vielen Jahren kennt. Er betonte, Wassermann habe „seit spätestens 1980 intensiv künstlerische Konzepte entwickelt, mit denen eine bessere Wahrnehmung von bisher vernachlässigten oder verdrängten sozialen, historischen oder missachteten Phänomenen möglich wurde.“ Und: „Geschichtliches und Persönliches durchdringen sich in jeder Arbeit.“

Für Gudrun Wassermann wurde „die Begegnung mit dem eigenen Ursprung, gewissermaßen dem Verborgenen, als einem Fremden, Maßstab und Merkmal ihrer künstlerischen Arbeit. Sie findet sich in all ihren über 160 Werken der letzten vierzig Jahre.“ Prof. Dr. Buchholz resümierte: „Ich würde das Werk von Gudrun Wassermann der ‚stillen Avantgarde‘ zurechnen“, zu der beispielsweise der von Wassermann verehrte John Cage gehört.

Laudatorin Monika Gass, die viele Jahre das Keramikmuseum Westerwald in Höhr-Grenzhausen (Rheinland-Pfalz) leitete, berichtete von ihrer ersten Begegnung mit Lena Kaapke und deren Werken im Jahr 2016. Damals beteiligte sich Kaapke an einem Wettbewerb mit gedrehten Keramikschalen, die entsprechend der Bevölkerungsdichte von Staaten gestapelt waren: „Beim Aufbau der Arbeit war ich fasziniert von der Ernsthaftigkeit, der Klarheit, mehr noch von der Hingabe, die diese junge Künstlerin ausstrahlte. Ihr Konzept, die Art, wie sie sich künstlerisch ausdrückt, berührte viele Menschen jeden Alters.“

Weiter lobte Gass die junge Kieler Künstlerin: „Dieses ihr eigene funkelnd-intelligent Kreative springt über, wird verstanden, wird von Vielen gesehen. So ist die Sprache der Kunst – auch die der Keramik – um eine schöne Stimme reicher geworden. Liebe Lena Kaapke, wir erwarten noch viel von Dir – Du selbst sicher am meisten!“


Gudrun Wassermann: Denken und Arbeiten auf höchstem Niveau

Gudrun Wassermann, geboren 1934 im damaligen ostpreußischen Insterburg (heute: Tschernjachowsk), lebt in Schönkirchen vor den Toren Kiels. Sie arbeitete mit Bleistift und Kaseinfarbe, Beton und Fotos, Klang und Licht, schuf temporäre Installationen mit Licht, Dämmerung und Dunkelheit, mit Videos und Projektionen durch Prismen, mit Steinen und Landschaften und sie drehte Dokumentarfilme. Der Anfang jeder Installation ist für sie die Auseinandersetzung mit dem vorgefundenen Raum.

„Ein Leben lang denkt und arbeitet Gudrun Wassermann auf höchstem Niveau. Es fasziniert, wie klar und gleichzeitig komplex, wie vielfältig und intelligent die Arbeitsbereiche sind, aus denen sie schöpft. Es ist ein überwältigendes Werk“, heißt es in der Begründung zur Vergabe des Kieler Kulturpreises.

Wichtige Themen des weit gespannten Wassermann-Werks sind Erinnerung und Unterwegssein, Migration von Menschen und Objekten. Über ihre Installationen mit immateriellen Medien sagt Gudrun Wassermann: „Die Bestandteile einer Installation erklären sich nicht gegenseitig, bleiben sich fremd, verbinden sich fragmentarisch mit dem Raum und lösen sich wieder von ihm. Nicht die einzelne Bildprojektion oder ein einzelner Klang sind wesentlich. Wichtig ist die Gesamtheit der Erfahrungen, eine komplexe Wahrnehmung, um unterschiedliche Formen unserer Wahrnehmung, unseres Erlebens anzusprechen.“

In den vergangenen Jahrzehnten waren in Kiel immer wieder Arbeiten von Gudrun Wassermann zu sehen. Zuletzt wurden Filme der Reihe über Kaliningrad (ehemals Königsberg) und Tschernjachowsk in Kiel erstaufgeführt. Ausgezeichnet wurde Gudrun Wassermann unter anderem mit dem Gabriele-Münter-Preis (1994) und dem Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein (1996).


Lena Kaapke: Aufstrebende Künstlerin mit großem Erfolg

Die gebürtige Flensburgerin Lena Kaapke hat an der Muthesius Kunsthochschule Bildende Kunst und Keramik studiert und lebt in Kiel. Sie erschafft künstlerisch-konzeptionelle Arbeiten mit Keramik und anderen Materialien, widmet sich der künstlerisch-wissenschaftlichen Erforschung von Kultur- und Gesellschaftsräumen und hatte bereits Arbeitsaufenthalte in den Niederlanden und China. Dafür wurde sie schon mehrmals ausgezeichnet. 2021 gab es eine Einzelausstellung mit Kaapkes Werken auf dem Museumsberg Flensburg, aktuell sind ihre Arbeiten unter anderem im Ständigen Sitz der Kultusministerkonferenz in Berlin zu sehen.

Neben ihrer Arbeit mit Keramik veröffentlicht Lena Kaapke Künstlerinnenbücher und Aufsätze. In ihren Vorträgen geht sie unter anderem auf die Farbe Rot in keramischen Technologien ein.

Sie sagt über sich: „In meiner künstlerischen Arbeit eröffne ich sinnliche Räume. Meine Projekte verbinden interdisziplinäre Fragestellungen und Themen, die immer aus persönlichen Interessen, Betrachtungen und Erfahrungen erwachsen, welche ich dann künstlerisch ‚erforsche‘ und vermesse Es entstehen kartografische Erkundungen. Die installativen Werke sind Übersetzungen, sie folgen einem von mir festgelegten hoch konzeptionellen Maßstab, zeigen Denkräume auf und hinterfragen diese zugleich.“


70 Jahre Kieler Kulturpreis

Der mit 10.000 Euro dotierte Kulturpreis wird von der Landeshauptstadt Kiel alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Wissenschaftspreis und Innovationspreis während der Kieler Woche verliehen. Die Kieler Woche ist mittlerweile 140 Jahre alt und der Kulturpreis 70 Jahre. Erster Träger des Preises war 1952 der Maler Emil Nolde. Der Preis wird auf Vorschlag des Kultur- und Wissenschaftssenats für hervorragende kulturelle Leistungen vergeben. 2020 war der Schriftstellers Arne Rautenberg ausgezeichnet worden.

In diesem Jahr wurde zum fünften Mal zusätzlich zum Kulturpreis der Förderpreis Kultur (Dotierung: 4000 Euro) verliehen, ebenfalls auf Vorschlag des Kultur- und Wissenschaftssenats. Der Preis wird vergeben an junge Menschen, die herausragende kulturell schöpferische Leistungen erwarten lassen. Erste Preisträgerin 2014 war die kanadische Tänzerin Victoria Lane Green vom Ballett Kiel, 2016 ging der Preis an den jungen Hornisten Lukas Meyerolbersleben, 2018 an die Hornistin Alison Balls und 2020 an den Filmregisseur Moritz Boll.

Preisübergabe im Rathaus: (von links) Bürgermeisterin Renate Treutel, Förderpreisträgerin Lena Kaapke, Kulturpreisträgerin Gudrun Wassermann und Stadtpräsident Hans-Werner Tovar.   Foto: LH Kiel / Peter Lühr


 

Pressemeldung 480/26. Juni 2022/ang


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