Meldung vom 9. Juli 2019

Kieler Wissenschaftspreis 2019 und Innovationspreis 2019 verliehen

In einer Festsitzung der Kieler Ratsversammlung im Rathaus wurden am Sonntag, 30. Juni, der Wissenschaftspreis der Landeshauptstadt Kiel 2019 und der Innovationspreis der Landeshauptstadt Kiel 2019 verliehen. Die Preise sind jeweils mit 10.000 Euro dotiert. Stadtpräsident Hans-Werner Tovar und Oberbürgermeister Ulf Kämpfer überreichten den Wissenschaftspreis 2019 an die Archäologin Prof. Dr. Annette Haug (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) und den Innovationspreis 2019 an den Materialwissenschaftler Prof. Dr. Mohammed Es-Souni (Fachhochschule Kiel).

Vorgeschlagen wurden die Preisträger vom Kieler Kultur- und Wissenschaftssenat unter dem Vorsitz von Uni-Präsident Prof. Dr. Lutz Kipp.  Die Ratsversammlung hat die Auswahl des Senats einstimmig bestätigt. Der Wissenschaftspreis und der Innovationspreis werden traditionell am Abschlusstag der Kieler Woche im jährlichen Wechsel mit dem Kulturpreis der Landeshauptstadt Kiel überreicht.

Die Landeshauptstadt Kiel zeichnet seit 2001 mit dem Wissenschaftspreis hervorragende wissenschaftliche Leistungen von Personen, Personengruppen oder Institutionen aus, deren Wirken in besonderer Beziehung zur Landeshauptstadt Kiel oder zum Land Schleswig-Holstein steht und die sich hervorragende Verdienste, auch über das Land hinaus, erworben haben. In diesem Jahr wurde er zum zehnten Mal verliehen. Zudem wird seit 2017 der Innovationspreis der Landeshauptstadt Kiel vergeben für herausragende Erfindungen, innovative Ideen, technologische Entwicklungen und wissenschaftlich basierte Startup-Geschäftsmodelle.

Professorin Annette Haug lehrt seit 2012 Klassische Archäologie an der CAU und ist zugleich Direktorin des Instituts für Klassische Altertumskunde sowie Leiterin der Antikensammlung in der Kunsthalle zu Kiel. Ihre Dissertation hatte das Thema „Die Stadt als Lebensraum. Eine kulturhistorische Analyse zum spätantiken Stadtleben in Norditalien“ und sie habilitierte mit der Schrift „Die Entdeckung des Körpers. Körper- und Rollenbilder im Athen des 8. und 7. Jahrhunderts v. Chr.“. Die international geachtete Wissenschaftlerin erhielt zahlreiche hochrangige Stipendien und die aktuelle (2016 bis 2021) Forschungsprofessur an der CAU. Seit 2017 ist sie Mitglied der Hamburger Akademie der Wissenschaften.

Der Materialwissenschaftler Professor Mohammed Es-Souni unterrichtet seit 1993 an der FH Kiel Werkstofftechnik, Verbindungstechnik und Fügetechnik. Der gebürtige Marokkaner leitet das Institut für Werkstoff- und Oberflächentechnologie, das sich durch seine hohe Forschungsaktivität auszeichnet. Zahlreiche Patente und Auszeichnungen zeugen davon. Prof. Es-Souni „gehorchen“ die Moleküle. Wenn er es will, kleben Kunststoffe extrem gut auf Metallen oder es entstehen Schichten, auf denen Bakterien nicht mehr wachsen, die aber dabei keine Schadstoffe in die Natur abgeben. Beispiele dafür sind Antifouling-Beschichtungen und in dünnen Schichten wirksame Katalysatoren für Verbrennungsabgase.

In seiner Begrüßungsansprache wies Stadtpräsident Hans-Werner Tovar darauf hin, wie sehr sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten – seit Anfang des Jahrtausends wird der Wissenschaftspreis verliehen – der Wissenschaftsstandort Kiel gewandelt hat. „Früher wurden hier Schiffe gebaut, heute sind es Hochschulabschlüsse und Forschungslabore“, sagte Tovar. Der Stadtpräsident unterstrich zudem, dass sich in dieser Zeit auch die Zusammenarbeit von Stadt und Hochschulen sehr gut entwickelt hat.

Friederike Kampschulte, Leiterin der Wissenschaftsabteilung im Bildungsministerium Schleswig-Holstein, freute sich in ihrem Grußwort sehr, dass die Landeshauptstadt Kiel an der Tradition festhalte, im jährlichen Wechsel entweder den Kulturpreis oder, wie in diesem Jahr, den Wissenschafts- und Innovationspreis zu vergeben. „Das zeigt, dass das Thema Wissenschaft hier im Land und in der Landeshauptstadt erste Priorität genießt“, so Kampschulte. „Ich bin mir sicher, dass wir in Schleswig-Holstein und in Kiel eine völlig neue Kultur der Kooperation brauchen werden, um neue, digitale Lösungen für die aktuellen Probleme und Herausforderungen zu finden. Kiel muss und kann sicher auch eine Stadt sein, in der dieses innovative Milieu viel stärker als bisher möglich ist und in der auch große Visionen wahr werden können!“

Der Dekan der Philosophischen Fakultät der CAU, Prof. Dr. Timo Felber, hielt sich in seiner Lobrede auf Wissenschaftspreisträgerin Prof. Dr. Annette Haug nicht nur an seinen „moralischen Kompass“ Platon, sondern erklärte auch klipp und klar: „Man kann die Stadt Kiel zu ihrer diesjährigen Wahl nur aufrichtig beglückwünschen.“ Die Spitzenforscherin Annette Haug sei „eine der ganz wenigen tragenden Säulen, auf der die mögliche Exzellenz unserer Universität beruht; sie verkörpert bereits das, wo die Universität erst noch hinmöchte.“ Damit meinte er die im Juli anstehende Entscheidung über die Vergabe des Titels „Exzellenzuniversität“, auf den die CAU hofft. Aber Prof. Haug habe es „nicht nur aufgrund ihrer wissenschaftlichen Exzellenz verdient, geehrt zu werden, sondern auch aufgrund ihrer menschlichen Tadellosigkeit.“

Prof. Dr. Franz Faupel, Leiter des Lehrstuhls für Materialverbunde an der Technischen Fakultät der Kieler Universität erklärte in seiner Laudatio auf den Innovationspreisträger: „Die innovativen Projekte von Prof. Es-Souni reichen von nanostrukturierten Schutzschichten für energieeffiziente Heizbrenner über umweltfreundliche Antifoulingschichten, die die Anhaftung von Mikroorganismen verhindern, bis hin zu Kontaktlinsenbeschichtungen mit verbessertem Tragekomfort und geringerer Entzündungsgefahr.“ Weiter sagte Prof. Faupel über seinen Kollegen: „Prof. Es-Souni ist nicht nur ein exzellenter Wissenschaftler, sondern er ist auch extrem innovativ und in absolut vorbildlicher Weise mit der lokalen Industrie vernetzt. Ich freue mich daher sehr, dass er den diesjährigen Innovationspreis erhält.“



Bisherige Trägerinnen und Träger des Wissenschaftspreises:

Erster Preisträger des Wissenschaftspreises der Landeshauptstadt Kiel war 2001 der Kieler Pathologe und Anatom Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Karl Lennert. 2003 ging der Preis an den Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Herbert Giersch.

2005 teilten sich die Auszeichnung der Biochemiker Dr. Stefan Rose-John und der Gastroenterologe Prof. Dr. Stefan Schreiber, 2007 waren es der Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Heinrich Detering sowie der Meeresgeologe und Chemiker Prof. Dr. Klaus Wallmann. 2009 ging die Auszeichnung an Prof. Dr. Friedhelm Taube vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der CAU und an den jungen Privatdozenten Dr. Konstantin Khalturin vom Zoologischen Institut der CAU.

Mit der Theologin Prof. Uta Pohl-Patalong (CAU) wurde 2011 erstmals eine Frau mit dem Wissenschaftspreis der Landeshauptstadt Kiel geehrt. 2013 erhielt erneut eine Frau die Auszeichnung: Die Ingenieurin Prof. Dr. Martina Gerken teilte sich den Wissenschaftspreis mit dem Juristen Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Robert Alexy (beide CAU).

Der Chemiker und Nanowissenschaftler Prof. Dr. Rainer Herges (CAU) erhielt den Preis im Jahr 2015. Auf ihn folgte die Mikrobiologin Prof. Dr. Ruth Schmitz-Streit (CAU) im Jahr 2017.

Mit der Archäologin Prof. Annette Haug erhielt 2019 wiederum ein Mitglied der Philosophischen Fakultät der Kieler Universität den Wissenschaftspreis.


Bisherige Träger des Wissenschaftspreises:


Den Innovationspreis der Landeshauptstadt Kiel wurde bei seiner ersten Verleihung 2017 geteilt. Die ersten Preisträger waren der Physiker Prof. Dr. Ronald Eisele von der Fachhochschule Kiel und das Science Communication Lab aus dem Umfeld der Muthesius Kunsthochschule.

2019 ging der Innovationspreis an den Materialwissenschaftler Mohammed Es-Souni von der FH Kiel.

Gruppenbild zur Preisverleihung (von links): Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer; Laudator (für Prof. Es-Souni) Prof. Dr. Franz Faupel; Wissenschaftspreisträgerin Prof. Anette Haug; Laudator (für Prof. Haug) Prof. Dr. Timo Felber; Innovationspreisträger Prof. Mohammed Es-Souni; Leiterin der Wissenschaftsabteilung im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Friederike Kampschulte; Vorsitzender des Kultur- und Wissenschaftssenats der Landeshauptstadt Kiel Prof. Dr. Lutz Kipp, Präsident der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Stadtpräsident Hans-Werner Tovar.   Foto: LH Kiel / Peter Lühr

Pressemeldung 539/30. Juni 2019/ang


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