Kieler Woche
16. - 24. Juni 2018

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Weltwirtschaftlicher Preis für vier Vordenker

Zweiter Tag der Kieler Woche, zweiter großer Höhepunkt: Altbundespräsident Prof. Dr. Horst Köhler, der italienische Modemacher Brunello Cucinelli, die indische Bankerin Arundhati Bhattacharya und der schwedische Ökonom Prof. Assar Lindbeck sind am Sonntag mit dem Weltwirtschaftlichen Preis ausgezeichnet worden. 

Ausgezeichnet: Prof. Assar Lindbeck, Arundhati Bhattacharya, Prof. Horst Köhler und Brunello Cucinelli (v.l.) Ausgezeichnet: Prof. Assar Lindbeck,
Arundhati Bhattacharya, Prof. Horst Köhler
und Brunello Cucinelli (v.l.)

Mit der Ehrung der vier Persönlichkeiten vergaben das Institut für Weltwirtschaft (IfW), die Landeshauptstadt Kiel und die Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein den Preis zum 13. Mal. Er wird an Ökonomen, Politiker und Unternehmer verliehen, die sich als Vordenker einer weltoffenen, marktwirtschaftlichen und sozialen Gesellschaft verdient gemacht haben. 

Der Weltwirtschaftliche Preis, so Oberbürgermeister Ulf Kämpfer bei der Verleihung im Kieler Rathaus, leiste einen Beitrag zu Fragen von globaler Bedeutung und sei eine wichtige Plattform für den intellektuellen Dialog zwischen Wirtschaftswissenschaft, Politik, Unternehmen und Gesellschaft.

„Die Verleihung des Weltwirtschaftlichen Preises ist Jahr für Jahr der gesellschaftspolitische Höhepunkt der Kieler Woche. Und die diesjährigen Preisträger setzen die beeindruckende Reihe der hochkarätigen Persönlichkeiten fort, die in den vergangenen Jahren hier in Kiel geehrt wurden“, sagte Kämpfer.

Stärkung der freien Märkte

Auch Klaus-Hinrich Vater, Vizepräsident der IHK Schleswig-Holstein, hob die besondere Stellung der Auszeichnung hervor: „Der Weltwirtschaftliche Preis betont die Bedeutung freier Märkte für den internationalen Handel und die globale Wohlfahrtsentwicklung. Eine Behinderung des freien Welthandels hätte für unsere exportorientierten Mittelständler dramatische, sehr oft wahrscheinlich existenzielle Folgen, weil sie einen großen Teil ihres Gewinnes irgendwo in der Welt erzielen. Einer solchen Entwicklung entgegenzuwirken ist Aufgabe aller, wo immer es möglich ist.“

Soziales Wohlergehen im Mittelpunkt wirtschaftlichen Handelns

Festakt: Zur Preisverleihung hatte die Stadt in den Ratssaal geladen Festakt: Zur Preisverleihung hatte die
Stadt in den Ratssaal geladen

„Den Menschen und sein soziales Wohlergehen in den Mittelpunkt des wirtschaftlichen Handelns zu stellen, die internationale Zusammenarbeit zu mehren - das ist eines der zentralen Anliegen des Weltwirtschaftlichen Preises“, sagte Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW), in seiner Laudatio.

Er lobte die Preisträger dafür, die Gesellschaft diesem Ziel ein Stück näher gebracht zu haben. „Jeder hat auf seine individuelle Weise die sozial Schwachen und Benachteiligten in den Fokus seines Wirkens gestellt - und so die Richtung aufgezeigt, in die wir gehen müssen, um eine auf fairem Handeln basierende Weltordnung zu kreieren.“

Kämpfer gegen Armut und Ungerechtigkeit

Horst Köhler, sagte Snower in seiner Laudatio, stehe wie kaum ein Zweiter für soziale Marktwirtschaft. „In seinen vielfältigen Tätigkeiten - von der Kieler Staatskanzlei über den Internationalen Währungsfonds bis hin zum Bundespräsidenten - war er stets beherzter Anwalt einer auf Eigeninitiative beruhenden marktwirtschaftlichen Ordnung und hatte zugleich ein waches Auge für die Grenzen des Marktes, für die Schwachen und Benachteiligten, die auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind. Er ist ein Kämpfer gegen Armut und Ungerechtigkeit und für die Entwicklung neuer globaler Entwicklungsziele. Ein Mahner für Gerechtigkeit, für ein integratives Miteinander, für eine faire Globalisierung mit verlässlichen Regeln.“

Ruhender Pol in einer globalisierten Welt

Brunello Cucinelli würdigte Snower als einen vorbildlichen Textilunternehmer. Auftragsfertigung in maroden Textilfabriken - das suche man bei ihm vergeblich. Brunello Cucinelli engagiere sich mit seinem Unternehmen und seiner Stiftung vielfältig für die Region und sei damit nicht zuletzt auch ein Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit.

„In einer globalisierten Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät, in der der menschliche Faktor den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg vorantreiben soll, sind Sie eine Art ruhender Pol. Sie zeigen die Richtung in eine nachhaltige unternehmerische Zukunft auf. Das ist beispielhaft“, sagte Snower.

Unternehmensstrategin und Kämpferin für Frauenrechte

Renommierte Auszeichnung: Der Weltwirtschaftliche Preis wird an Ökonomen, Politiker und Unternehmer verliehen Renommierte Auszeichnung: Der Weltwirtschaftliche
Preis wird an Ökonomen, Politiker und Unternehmer
verliehen

„Wenn man Herausforderungen sucht und den Sprung ins kalte Wasser nicht scheut, öffnen sich meist ganz neue Wege“, zitierte Snower eine Aussage von Arundhati Bhattacharya.

„Sie haben Herausforderungen gesucht und angenommen, Sie sind ins kalte Wasser gesprungen und haben sich durchgesetzt. Sie haben der State Bank of India ein neues Gesicht gegeben. Ein modernes Gesicht, nicht nur was die unternehmerische Ausrichtung betrifft, sondern auch in sozialer Hinsicht. Sie haben sich als Kämpferin für Frauenrechte in Indien einen Namen gemacht. Und dass Ihre Mitarbeiterinnen die Chance haben, ihren Job besser mit den Herausforderungen in der Familie in Einklang zu bringen, ist Ihr Verdienst - und eine ebenso beeindruckende Leistung wie die Neuausrichtung der Bank“, würdigte Snower die Preisträgerin. 

Querdenker auf dem Weg zu neuen Erkenntnissen

Assar Lindbeck, hob Snower hervor, sei ein Querdenker, der nichts anderes respektiere als die Wahrheit und die Kreativität.

„Ich habe selbst erlebt, wie er berühmte, etablierte Professoren intellektuell zerpflückt, während er jungen, unbekannten Wissenschaftlern große Beachtung schenkt, wenn sie originelle Einsichten äußern. Er ist ein Mann, der Wissenschaft im besten Sinne betreibt: Wissen zu schaffen, neue Ideen zu entwickeln, die der Gesellschaft zugute kommen - unabhängig von dem, was gerade als akademische Mode oder politische Korrektheit gilt. Wertvolle Ideen so einfach wie möglich zu fassen, so dass ihr Weg zur Offensichtlichkeit so kurz wie möglich ist.“

 Mehr über die Preisträger und die Laudationes lesen Sie hier.